Ein handgewebter Zopfroman

Brunnen aus Keramik und Eisen, ca. 180x60cm, Diplomarbeit 2005

Der Begriff Handgewebter Zopfroman ist einem Vers aus dem Roman Eugen Onegin von A. S. Puschkin, einem der wichtigsten russischen Dichter des 19. Jahrhunderts, entnommen. Um den Titel der Arbeit zu verstehen, muss man diese genauer betrachten: Das Objekt besteht aus sieben Teekannen, die aufeinander gestapelt sind. Nach oben hin werden die Kannen immer kleiner, nach dem Prinzip der russischen Puppe Matrjoschka. Durch die Gefäße fließt eine duftende Flüssigkeit, bis sie schließlich in einer Tasse ankommt. Mit den an der Unterseite angebrachten Keramikbeinen erinnert die gesamte Komposition an eine sitzende Frau. Auch gibt es gewisse Verwandtschaft mit einem Samowar, auf dessen Außenwänden Geschichten modelliert sind. Es könnten jene sein, die während eines Abends, bei einer Tasse Tee, erzählt werden. Man spricht über Russland, über Menschen, die dort leben und auch über jene, die weggegangen sind. Ganz oben, an der Spitze des Kunstwerkes, sitzt der Märchenkönig Aladin – quasi als Schutzengel, und alles steht in seinem Zeichen. Die Inhalte dieser zum Teil realen aber auch ausgedachten Geschichten sind durcheinander geworfen und ineinander verflochten – eben ein Handgewebter Zopfroman.

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