Apolitischer Mundgeruch 2017

Zur Ausstellung Apolitischer Mundgeruch von Alexandra Zaitseva und Fritz Michl

Die Ausstellung bezieht sich auf den Artikel zur Kunst „Kritisch sein: Immer diese Widersprüche!“ von Thomas Edlinger:
Jeder will heute kritischer sein als der Andere. Eine unkritische Haltung ist hingegen wie Mundgeruch…“.

Ab wann tritt die Kunst in den Dienst des Kritischen/des Politischen?

Um dieser Frage nachgehen zu können erschaffen wir einen spekulativen Raum, einen Spielplatz für Aktionen, Interaktionen und Reaktionen. Es ist eine Versuchsanordnung der vielen Fragen, ohne Gewissheit Antworten zu bekommen, ohne den Ausgang des Experiments vorhersehen zu können, mit dem Hinnehmen eines möglichen Scheiterns.
April 2017

Installation 1:
Sicher gehen wollen, ist wie sicher wissen wollen – beides ist feige“ F. Nietzsche.

                   

Der Satz steht beim Eintritt des Raumes auf der ersten Stiege geschrieben. Im Raum sind Holzbalken verteilt – Stolpergefahr. Bei jedem Schritt werden die Ausstellungsobjekte zum Wackeln gebracht, es entsteht das Gefühl, alles könnte jederzeit zusammenbrechen. So auch das Ausstellungskonzept, das mit einem großen Fragezeichen versehen ist und bedroht ist im Schatten der Selbsthinterfragung zusammen zu brechen.

Installation 3:

In der Mitte des Raumes ist ein Phallus aus einem feuchten Ton aufgestellt. Er dreht sich um die eigene Achse auf einer Töpferscheibe stehend. An der Spitze ist ein Schild montiert mit dem Titel: Gender Studies. Er dreht sich, und ist unfähig der Bewegung zu entrinnen, bis durch einen Zufall die Maschine so sehr beschleunigt wird, dass der Phallus zum Fallen gebracht wird. Die von außen zugefügte Dynamik macht es erst möglich, der ständigen Wiederholung einen Ausgang zu verschaffen. Ist diese sich drehende Form betitelt mit Gender Studies bereits eine kritisch, künstlerische Annäherung an die Gender Thematik?

Installation 2:

An der hintersten Wand des Raumes sind Ölbilder aufgehängt. Diese entsprechen den klassischen Vorstellungen von einem traditionellen Gemälde – Meereslandschaften sind zu sehen. Jedes Bild ist am Tag eines großen politischen Ereignisses entstanden (Angelobung von Van der Bellen, Amtsantrittstag von Trump, etc,…). – Ein Beispiel kritischer Kunst?

Installation 4:

                      

Der Aufbau besteht aus drei Türmen, zwei davon zeigen die Psychogramme der Künstler*innen. Im Innersten dieser, sind persönliche Sachen der Künstler*innen zu sehen. Die Türme werden geöffnet, man bekommt einen Einblick auf das „menschliche“, unabgehobene des/der Kunsterzeuger*s/in. Die Kunstschaffenden im Elfenbeinturm fern aller Realität, fern alles Politischen, sich selbst auf einen Sockel hebend.
Künstler – auch nur ein muffiger, mumifizierter Begriff der Kunstgeschichte?
Im dritten Käfig befindet sich ein Stillleben mit Tulpe, darunter eine „Odol“ Mundwasserflasche – um den „Mundgeruch“ des Unkritischen wieder aufzuheben.

Denken = Würfeln

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